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Die Bienenweihnacht

Einzelne Biene mit Spiegelung
01
Dez

Die Bienenweihnacht

Es ist soweit: es ist wieder DIE Zeit im Jahr. Winterlich und weihnachtlich. Wo der Honig abgeschleudert ist, die Bienen sich in ihre Wintertraube zurückziehen und unter einer Schnee- und Eisdecke vom nächsten Frühling träumen.

Der Vorstand des BZV Rheinbach e.V. wünscht allen eine besinnliche Vorweihnachtszeit und ein forhes Fest.

Passend dazu wollen wir diese wunderschöne Weihnachtsgeschichte von Georg Rendl aus dem unitarischen Weihnachtsbuch von Familie Hermannsen mit euch teilen und das Jahr 2023 langsam ausklingen lassen.

Die Bienenweihnacht

„Seit frühester Kindheit war es bei uns Brauch, eine Bienenweihnacht zu feiern. Das wurde stets ein großes, aber äußerst stilles Fest, das tiefen Eindruck auf uns Kinder machte. Beim Dunkelwerden erstrahlten in der großen Stube der glitzernd geschmückte Baum. Darunter lagen die Geschenke ausgebreitet. Die Reichhaltigkeit unserer Weihnachtsgaben stand mit unseren Immen in enger Verbindung; denn hatten die Immen viel Honig eingetragen, so durften die Kinder damit rechnen, das neben den nützlichen Sachen sich auch andere, entbehrlichere Dinge befanden. Nachdem die Gaben verteilt und die aufgeregten Gemüter beruhigt waren, gingen wir wohlvermummt aus der Wärme der Stube in den Garten. Dort standen, unter dem Obstbäumen verborgen, die Bienenhäuser. Wir Kinder schritten, eines hinter dem anderen herstapfend, dem Vater nach. Oft war es grimmig kalt, und die Sterne blinkten durch das Geäst der Bäume. In anderen Jahren schneite es, oder es stürmte so sehr, daß der Schnee hochwirbelte und uns, die wir als nächtliche Wanderer durch die unberührte Stille des nächtlichen Gartens geisterten, wie Spukgestalten erscheinen ließ.

Das Bienenhaus Nummer eins lag zwar weitab, aber dem Wohnhaus doch am nächsten vor den anderen fünf. Es war uns von allen das liebste, denn es schien uns immer, als beherbergige es die sanftesten Bienen. Es kam selten vor, daß mich sommers über, wenn ich dem Vater durch verschiedene Handreichungen half, eine Biene stach. Die Stechlustigsten flogen an das große Seitenfenster, schlüpft durch den Spalt in den Glasscheiben und surrten davon. Dieses größte der sechs Bienenhäuser beherbergigte auch die größte Zahlen an Bienenvölkern. An der anderen Seite stand der große Schrank für die Waben, der Werkzeugkasten und ein blaugestrichener Tisch. Im Sommer fiel durch das Fenster und seinen natürlichen Vorhang aus Weinlaub gründämmeriges Licht. Es verlieh dem Bienenhaus neben dem süßlich-säuerlichen Honigduft eine zauberhafte Stimmung.

Nachdem nun die Völker im Spätherbst ein letztes Mal besichtigt worden waren und es sich zeigte, daß sie und die Königin den Winter wohlbehalten überdauern würden, nachdem das Bienenhaus in peinlichste Ordnung gebracht und die Beuten sorgsam in Decken gehüllt waren, sperrte mein Vater es ab. Niemand dürfte es betreten, denn die Bienen mußten Ruhe haben.

Wenn wir unseren Bienen den Weihnachtsbesuch abstatteten, so geschah es in größter Stille und Behutsamkeit. Noch ehe der Vater den Schlüssel drehte und die Klinke drückte, schüttelten wir den Schnee von den Kleidern und fegten die Schuhe rein. Dann erst traten wir ein in den finsteren Raum.

Schon am Nachmittag hatte der Vater alles für die Bienenweihnacht vorbereitet. Er brauchte nur noch die Kerzen mit der Flamme zu beschenken. Auf jedem Bienenstock stand eine kleine Kerze, ein Tannenreis lag davor, und über dem weiß gedeckten Tisch hing ein Fichtenast, ein paar Lichterchen tragend.

Es war wundersam, mit angehaltenem Atem in dieser warmen Kerzenhelle zu stehen und dem ganz leisen und gleichmäßigen Brausen der Bienen zu lauschen. Ja, es rauschte wie in einem fernen, fernen Walde, den ein sanfter Wind bewegt. Dieses kündigte an, daß da tausendfältiges Leben wach war und daß es sich bewährte, weil es sich bewähren mußte, wollte es nicht verlöschen. Mir war das Geheimnis der winterlichen Bienen schon früh bekannt. Ich kann mich entsinnen, wann mein Vater mir zum ersten Mal etwas darüber erzählt hat. Ich würde mit dem geheimnisvollen Wunder in der gleichen Art vertraut, wie ein Bauernbub mit dem Leben der Tiere im Stall. Aber immer ist es mir ein Wunderbares geblieben, daß die Tausende der kleinen Bienen, die da ein Volk bilden, der große Wintergefahr auf so weise Art zu trotzen vermögen.

Ein ewiges Gesetz beherrscht sie, und sie gehorchen. Sie sitzen in dichten Trauben beisammen und wahren die Wärme, so gut sie es vermögen; aber sie verflüchtigt sich, und Hunger stellt sich bei einem Teil des Volkes ein. Die Kälte bedroht die Randbienen. Sie drängen nach innen, und die bisher Bewahrten besetzen die von der Kälte gefährdeten Außenposten der Traube. Während dieses Strömens nach außen und innen erhalten die Hungrigen von den Satten die lebenspendende Kraft des Honigs. Es wird warm. Die Traube sitzt dann, ruhig geworden, ganz locker, fast gelöst. Dann wird sie wieder dichter mit dem Zunehmen vom Hunger und Kälte. Wenn die Kälte und der Hunger ihren höchsten Grad erreicht haben, dann wiederholt sich das jähe Auseinanderquellen, das Wechseln der Posten und das Schenken und Nehmen des Honigtröpfleins abermals. Alle 23 Stunden geschieht es.

Ich nenne mich glücklich, daß ich das dankbare Staunen vor dem Wirken der Natur schon früh kennengelernt habe und daß mich dieses Staunen bis zum heutigen Tage nicht verlassen hat.

Wenn wir nun in aller Ruhe und Still beim leisen Kerzenflackern im Bienenhaus standen, so trat mir der Kampf der Bienen um ihr Leben und ihr Sieg über den Winter besonders deutlich vor die Seele, und das leise Rauschen, das wir dort vernahmen, wuchs in mir zum gewaltigen, brausenden Lied des Lebens. Ja, wir dachten in Liebe an sie, denn sie gehörten in die Gemeinschaft unserer Familie. Es wäre uns schändlich erschienen, wenn wir das an diesem hohen Festtag nicht anerkannt hatten.

Nach unserer stillen Weihnachtsbesinnung ging der Vater vom Stock zu Stock und blies die Lichter aus. Es wurde dunkler und dunkler Raum. Als die letzte Kerze gelöscht war, verließen wir so still und heimlich, wie wir gekommen waren, das Bienenhaus, um in dem anderen das gleiche stille Fest zu feiern.“

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